Landkreis Wittmund

 

„Für den Notfall vorgesorgt“?

Oder: Warum? Lebensmittel gibt’s doch im Supermarkt!

Schlemmen und genießen - das war auch in diesem Jahr vom 18. - 27. Januar 2008 für über 400.000 Besucher das Motto auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.

Viele Bürger allerdings verkennen, dass es durchaus keine Selbstverständlichkeit ist, immer im Supermarkt Zugriff auf Lebensmittel zu haben und sich versorgen zu können. So kann eine Erkrankung jederzeit ans Bett fesseln, infolgedessen kann man daran gehindert sein, einzukaufen. Geschäfte schließen bei Stromausfall, da Kassen und Warenbestandsysteme nicht mehr funktionieren. In den Supermärkten fallen die Kühlregale und Tiefkühltruhen aus. Nach recht kurzer Zeit sind die Kühlketten unterbrochen und die eingelagerten Waren dürfen nicht mehr verkauft werden und müssen vernichtet werden. Plötzliche Schneelagen können eine täglich erfolgende Belieferung von Supermärkten verhindern. Der Kunde möchte alles frisch kaufen, die meisten Lebensmittel befinden sich daher im Lieferprozess auf Schiene und Straße und nicht, wie früher, in den Lä-gern der großen Discounter. Streiks im Transportsektor können ebenfalls zu Nachschubproblemen führen.

Zu leichtsinnig ist es also zu glauben, immer einkaufen zu können. Dieses Risiko wird in der Bevölkerung jedoch allzu oft verkannt.

Vielen ist die Schneelage aus dem November 2005, die nach heftigen Schneestürmen im Münsterland tagelangen Stromausfall für viele tausend Haushalte nach sich zog, noch bestens in Erinnerung. Derartige Lagen können immer auftreten, und daher ist es sinnvoll, sich zu Hause einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln anzulegen, auf den man im Notfall zurückgreifen kann.

Lebensmittelbevorratung ist im Bereich des Selbstschutzes aber lange nicht alles. Wer in der Wohnung einen Rauchmelder montiert hat, zudem auch über Feuerlöscher und vielleicht sogar über Kenntnisse in der Ersten Hilfe verfügt, ist schon sehr gut vorbereitet. Eine Schlüsselposition in der heutigen Zeit hat allerdings, wie eingangs angedeutet, der elektrische Strom, der, wenn er nicht da ist, zu deutlich mehr führt als zu Einkaufsproblemen

Wie abhängig wir vom Strom sind, merken wir erst, wenn er ausgefallen ist

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie werden morgens wach, und der Strom ist ausgefallen. Ursachen hierfür gibt es viele; möglicherweise hat ein Bagger auf der Baustelle in der Nachbarstraße eine Leitung beschädigt oder irgendwo in Norddeutschland wird ein Kreuzfahrtschiff überführt, wofür Netzabschaltungen vorgenommen werden - so geschehen im November 2006.

Sie werden also wach - und der Strom ist weg. Was passiert nun? Das Licht geht nicht und Sie können die elektrisch betriebenen Rolläden nicht öffnen. Im Badezimmer stellen Sie fest, dass das Wasser nicht warm wird, was nicht besonders angenehm ist, denn die Heizung ist ebenfalls nicht in Betrieb und die Wohnung ohnehin schon erheblich kühler als gewohnt. Ihr Baby hat Hunger und verlangt bereits schreiend nach der Flasche. Das Milchpulver muss mit kochendem Wasser angerührt werden. Wasser ist da, Wasserkocher auch, und - ach, der Wasserkocher benötigt Strom. Was nun? Sie möchten Familie und Freunde anrufen, um nachzufragen, ob dort der Strom auch ausgefallen ist. Sie müssen aber feststellen, dass Ihr schnurloses Telefon nicht mehr funktioniert, weil die Basisstation nicht mehr versorgt wird und natürlich ist gerade auch der Akku des Mobiltelefons leer - wobei, das Netz wäre möglicherweise ebenfalls nicht nutzbar, da die Sendemasten gleichfalls vom Strom abhängig sind. Sie müssen nun in Ihrer Not möglicherweise mit dem Auto zu Freunden oder in ein Krankenhaus fahren, denn Ihr hungriges Baby hat für die Tatsache, dass der Strom wahrscheinlich bald wiederkommt, kein Verständnis. Sie wollen Ihr Garagentor öffnen, aber auf das Signal Ihres Handsenders hin passiert - nichts.

Dieses Szenario kann man unendlich fortsetzen, und genauso vom Privathaushalt auf die Industrie und das öffentliche Leben übertragen: ohne Strom funktioniert nichts mehr. Geldautomaten sind außer Betrieb, das Betanken von Kraftfahrzeugen ist nicht mehr möglich, da die Zapfsäulen ebenfalls am Stromnetz hängen. Ampeln fallen aus, es kommt zu zahlreichen Staus.

Krankenhäuser, in denen Patienten von lebensrettenden und -erhaltenden medizintechnischen Geräten versorgt werden, müssen für diesen Fall Ausweichlösungen in Notfallplänen erarbeiten. Sie verfügen im Regelfall über unterbrechungsfreie Stromversorgungen und leistungsfähige Notstromaggregate.

Wasserversorger können ebenfalls Probleme bekommen und nicht mehr im normalen Umfang liefern, denn Pumpen und Aggregate werden ebenfalls mit Strom betrieben. Schlimmstenfalls kann es dazu kommen, dass neben der Stromversorgung auch die Wasserversorgung ganz ausfällt oder zumindest eingeschränkt wird.

Der Privathaushalt als „Kleine Kritische Infrastruktur“

Sie sehen, die vielen Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten können bei einem Stromausfall zu erheblichen Beeinträchtigungen der öffentlichen Sicherheit und der Versorgung der Bevölkerung mit Energie und vielerlei anderen Dienstleistungen führen.

In diesem Zusammenhang sprechen Fachleute von „Kritischen Infrastrukturen“. Zum Schutz des Bürgers erarbeiten Fachleute des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz  und Katastrophenhilfe (BBK) in Kooperation mit Dienstleistern aus den entsprechenden Sektoren Schutzkonzepte.

Übertragen auf die oben beschriebenen Beispiele ist jeder Privathaushalt für sich gesehen ebenfalls eine Kritische Infrastruktur - im Kleinen.

Dies heißt in der Konsequenz: der Bürger muss sich mit den Fragen „Was mache ich, wenn ...“ und „Wie kann ich mir selber helfen?“ intensiv beschäftigen. Die Tatsache, dass jahrelang nichts passiert ist, garantiert keineswegs, dass dies auch in Zukunft nicht geschehen kann.

Information der Bevölkerung

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat, von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen des Landes Berlin unterstützt, die Gäste der Grünen Woche über die Bevorratungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln informiert und Ratschläge hinsichtlich lagerfähiger Lebensmittel und auch der empfohlenen Mengen ausgesprochen. Im Kern geht es darum, in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür zu stärken, dass in unserer technisierten und vernetzten Welt nicht unbedingt immer Lebensmittel, Energie und Wasser uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Der Bürger kann sich mit geeigneten Vorsorgemaßnahmen eine Zeit lang selbst behelfen und etwaige Engpässe über-brücken. Das Zauberwort heißt „Vorsorge“ - denn ist der Schadensfall erst eingetreten, kommt jede entsprechende Maßnahme zu spät.

Service für Behörden

Weitere Informationen zur Lebensmittelbevorratung und auch zu anderen Selbstschutzinhalten liefert die Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt“, die beim BBK kostenfrei zu beziehen ist und über das Internet bestellt werden kann.

Auch Behörden, Feuerwehren und Organisationen können diese Broschüre nutzen; die Aufgabe, den Bürger für den Selbstschutz zu sensibilisieren, liegt eigentlich bei den Kommunen, und Feuerwehren und Hilfsorganisationen sind optimale Multiplikatoren. Für Tage der offenen Tür, zum Auslegen im Verwaltungsgebäude oder der Stadtbücherei ist die Broschüre ideal.

Wir sind uns einig: Je mehr der Bürger in der Lage ist, sich in von der Normalität abweichenden Situationen selbst zu helfen, desto stärker wird unser Hilfeleistungssystem. Die Notrufe werden weniger belastet und die staatlichen und öffentlichen Ressourcen werden nicht unnötig beansprucht. Nur so kann mit den zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln in wirklichen Notfällen effektiv geholfen werden.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Verfasser des Artikels: Karsten Mälchers, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Auszugsweise Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Bonn

  
Die Notfallbroschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

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Die Notfallbroschüre ist auch bei der Kreisverwaltung Wittmund erhältlich.

Ansprechpartner:

Nanno Dannemann

Tel.: 04462 86-1234

Harald Lamberti

Tel.: 04462 86-1242

E-Mail: ordnungsamt@lk.wittmund.de



  

 

 

 

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