Landkreis Wittmund

 

Kleine Geschichte vom Sinn der Landschaftsplanung

Baum LRP.bmpVor gar nicht langer Zeit lebten in einem verschwiegenen Winkel unserer Erde zwei Wichtel. Der eine hieß Kasimir, der andere trug den Namen Sigismund. Die Landschaft, in der sie lebten, war wild und ungebändigt, viele Gefahren lauerten dort; aber es gab auch wunderschöne Kleinode wie zum Beispiel alte knorrige Bäume, mit Seerosen bewachsene Teiche und wunderschön blühende Säume am Rande der Lichtungen.


Beide Wichtel träumten von einem kleinen Stückchen Erde, das sie so richtig nach ihrer eigenen Vorstellung herrichten konnten. Jeder von ihnen träumte von einem kleinen Acker, der ihn ernährt, einer kleinen Hütte, die ihn vor Wind und Wetter schützt, einer bunten Wiese, die zum verweilen einlädt, und einem alten knorrigen Baum, der an heißen Sommertagen Schatten spendet und in dessen Geäst Vögel singen.


Eines Tages machten sich beide an die Arbeit, Kasimir im Norden der heimatlichen Wildnis, Sigismund im Süden. Das Zähmen der Wildnis war für beide ein hartes Stück Arbeit. Undurchdringbares Dickicht musste gerodet werden, tiefe Sümpfe verlangten eine Entwässerung und wilde Tiere mussten vertrieben werden. Als beide ihre Gärten schließlich durch einen festen Zaun geschützt hatten, konnte mit der Urbarmachung begonnen werden. Kasimir konnte es kaum erwarten, die Früchte seiner Arbeit stolz zu präsentieren und genießen zu können und fing sogleich mit dem Bau einer Hütte an. Er baute sie kurzerhand auf den blühenden Krautsaum am Rande der großen Lichtung. Warum er diesen Standort gewählt hatte, das wusste er auch nicht, aber so sollte es nun einmal sein. Und weil es so einfach war, baute er auch noch den langen Weg zu der Stelle, auf der sein Acker liegen sollte, über die blühenden Kräuter, deren Bestände auf diese Weise arg dezimiert wurden. Er war so mit dem Wegebau beschäftigt, dass er beinahe in den mit Seerosen bewachsenen Teich gefallen wäre, auf den er sich schnurstracks zubewegte. Dies brachte ihn auf einen für ihn guten Gedanken: der Teich war wunderbar für die Anlage seines Gemüseackers geeignet, wenn er das Gewässer zuvor mit dem Erdaushub vom Wege- und Hüttenbau verfüllen würde. Auf diese Weise konnte er auch die störenden Erdmengen verschwinden lassen, die den Anblick seines Gartens doch ganz erheblich störten.


Da der Weg von der Hütte bis zur Ackerfläche sehr lang war, entschloss sich Kasimir zum Bau einer zweiten Hütte. Dass dabei der schönste und größte knorrige Altbaum weichen musste, bemerkte er im Eifer seiner Arbeit nicht.


Die Arbeiten waren endlich beendet, doch so richtig glücklich war Kasimir über sein persönliches Reich nicht. Auf dem Acker wuchs prächtiges Gemüse heran, die Hütten boten ihm Schutz und Wärme, und er konnte sich trockenen Fußes zwischen den Behausungen und dem Gemüsefeld bewegen. Aber es gab keinen seerosenbewachsenen Teich mehr, nur wenige blühende Kräuter haben die Anlage des Weges überlebt, und auch der große alte schattenspendende Baum fehlte ihm und ganz besonders den Singvögeln in seinem Garten.


Ein wenig nachdenklich machte er sich auf den Weg zu seinem im Süden der Wildnis siedelnden Freund Sigismund. Als Kasimir seinen Garten betrat, traute er seinen Augen nicht: da lag doch sein Freund in einer zwischen den beiden alten Bäumen gespannten Hängematte. In den Zweigen sangen die Vögel und am Rande der kleinen Lichtung blühte ein unerschöpfliches Meer an Kräutern und Gräsern, die das Auge und die Sinne erfreuten. „Daraus habe ich mir schon so manchen Heilkräutertee gebraut“ sagte der in der Hängematte liegende Sigismund, der seinen alten Freund schon längst bemerkt hatte. Komm mit, wir gehen auf dem kleinen Pfad über die Lichtung zu meinen Gemüsegarten, in dem ich jedes Jahr mehr als genug gesunde Gartenfrüchte ernte. Meinen schönen mit Seerosen bewachsenen Teich möchte ich dir auch noch gern zeigen. Und danach lade ich dich in meine kleine Hütte ein, die sich romantisch unter einem meiner alten Bäume duckt, und wir trinken einen Pfefferminztee. Als Kasimir ganz erstaunt fragte, wie er es denn geschafft hatte, alle seine Wünsche und Ideen in seinem Garten so umzusetzen, dass fast alle Kleinode der Natur erhalten geblieben sind, sagte Sigismund ganz stolz: „Ich habe mir einen Plan gemacht, in dem ich alles genau eingezeichnet habe. Und nach diesem Plan bin ich vorgegangen, sonst nichts“. Darauf sprach Kasimir mit einem großen Seufzer in der Stimme: „Ach, hätte ich doch auch vorher einen solchen Garten-Landschaftsrahmenplan gemacht ...“.

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