Landkreis Wittmund

 

Wallhecken

Wallheckenlandschaften sind aus kulturhistorischer Sicht von besonderem Wert. Sie sind Relikte einer vergangenen bäuerlichen Kultur. Aber auch ökologisch gesehen sind Wallhecken von übergeordneter Bedeutung für den Naturhaushalt.


Bereits 1935 wurden die Wallhecken als kulturhistorisch und ökologisch bedeutsame Landschaftselemente durch die „Verordnung zur Erhaltung der Wallhecken“ auf der Grundlage des Reichsnaturschutzgesetzes unter Schutz gestellt. Diese wurde 1981 vom § 33 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes abgelöst.


Seit dem 19. Februar 2010 ist der Schutz der Wallhecken in § 22 Abs. 3 des Niedersächsischen Gesetzes zur Neuordnung des Naturschutzrechts, Artikel 1 „Niedersächsisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz“ (NAGBNatSchG) geregelt:


„Mit Bäumen oder Sträuchern bewachsene Wälle, die als Einfriedung dienen oder dienten (…) sind geschützte Landschaftsbestandteile (…). Wallhecken dürfen nicht beseitigt werden. Alle Handlungen, die das Wachstum der Bäume und Sträucher beeinträchtigen, sind verboten.“


Schon 1939 wurde von H. Wernery festgestellt: „Durch Strafe und Aufpassen allein wird man die Wallhecken nicht genügend schützen können. Es muss immer mehr das Verständnis für den Schutz geweckt werden.“

Was ist überhaupt eine Wallhecke?

Wallhecken wurden vermutlich schon seit der Eisenzeit dort, wo Wald zugunsten landwirtschaftlich genutzter Flächen zurückgedrängt wurde, angelegt.


Sie hatten vielfältige Funktionen: sie dienten der Grenzbezeichnung, der Einfriedung von Acker- und Weideflächen, der Holzgewinnung und sogar der Abwehr feindlicher Überfälle. Wallheckengebiete im ostfriesischen Raum sind auf Geestgebiete beschränkt.


Die ersten sesshaften Bauern der Geest schützten gemeinschaftlich genutzte Dorfäcker (Esch oder Gasten) vor dem außerhalb frei herumlaufenden Vieh und Wild durch Wälle. Zu diesem Zweck war die Außenseite des Walles sehr steil. Die Wallkrone wurde mit einer dichten Hecke aus vorzugsweise dornigen Sträuchern bepflanzt. Dieser „lebende Zaun“ wurde alle 8 bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt und einzelne junge Bäume wurden durch Umbiegen und Verflechten von Neutrieben in ihrer Zaunwirkung verstärkt.


Die Holzarmut in waldarmen Regionen führte zu einer ausgeprägten Nutzung des bei Pflegemaßnahmen anfallenden Holzes für den Gerätebau und als Brennstoff. Aber auch die Früchte der Heckenpflanzen, wie Beeren, Nüsse, Eicheln und Äpfel wurden genutzt. Gegenüber Holzzäunen waren Hecken, was den Preis und den Pflegeaufwand betraf, deutlich überlegen. Neben Haus, Garten und Gaste wurden auch Triftwege mit Wallhecken versehen. Auch Wälder und feuchte Wiesen für die Heumahd wurden durch Wälle zum Schutz vor dem Weidevieh eingefriedet. Später wurden auch aus der Allmende (dem Allgemeinheitsgrund) ausgegrenzte Einzelflächen (Kämpe) durch Kampwälle umgeben.


Die Aufteilung des Gemeinheitsgrundes (1806) und die Flurneuordnung der alten Gasten (1858) führten schließlich zu geschlossenen Wallheckenlandschaften. Die Errichtung des ostfriesischen Wallheckennetzes bedurfte der Bewegung von ca. 30 Mio. m³ Erde, was eine ähnliche Arbeitsleistung erforderte wie der Bau der ersten Küstendeiche. Die folgende Abbildung zeigt die Schwerpunkte des Wallheckennetzes im Landkreis Wittmund.

 

Karte Wallhecken.JPG

 Lage der Schwerpunkte des Wallheckennetzes im Landkreis Wittmund

Maßnahmen, die ohne besondere Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden können

Der gesetzliche Schutz der Wallhecken erlaubt eine Pflege der Wallhecken. Dazu gehört ein Rückschnitt der Gehölzbestände, solange das Wachstum der Bäume und Sträucher nicht beeinträchtigt wird. Strauchbestände können etwa alle 8 bis 15 Jahre zurückgeschnitten oder „auf den Stock“ gesetzt werden. Der Rückschnitt von in die Flächen hineinwachsenden Trieben ist ebenfalls erlaubt.


Es kann auch eine Nutzung von einzelnen Bäumen erfolgen, wenn zwischen den Gehölzentnahmen ausreichend lange Zeiträume liegen, in denen sich neue Gehölze in gleicher Qualität entwickeln können. Für die Entnahme von Großbäumen kann dies etliche Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Man sprich daher von „Einzelstammentnahmen“.


Von grundlegender Wichtigkeit ist die dauerhafte Erhaltung eines Gehölzbestandes, der aus verschiedenen Arten und Altersklassen zusammengesetzt ist. Größere Lücken im Gehölzbestand können auch durch Anpflanzungen geschlossen werden. Geeignete Gehölzarten sind in der Tabelle aufgeführt. Außerdem ist ein Augenmerk auch auf den Erhalt eines durchgehenden Wallkörpers zu richten. Das bedeutet, dass mit jeglicher maschineller Bearbeitung von Flächen ein ausreichender Abstand zum Wallheckenfuss einzuhalten und, im Falle der Beweidung der Flächen, für eine funktionsfähige viehkehrende Einzäunung zu sorgen ist.


deutscher Name

botanischer Name

Sandbirke

Betula pendula

Schwarzerle

Alnus glutinosa

Silberweide

Salix alba

Stieleiche

Quercus robur

Eberesche

Sorbus aucuparia

Hainbuche

Carpinus betulus

Feldahorn

Acer campestre

Vogelkirsche

Prunus avium

Faulbaum

Frangula alnus

Grauweide

Salix cinerea

Haselnuss

Corylus avellana

Himbeere

Rubus idaeus

Hundsrose

Rosa canina

Pfaffenhütchen

Euonymus europaeus

Salweide

Salix caprea

Schlehe

Prunus spinosa

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Weißdorn

Crataegus laevigata,

C. monogyna

Gemeiner Efeu

Hedera helix

Waldgeißblatt

Lonicera periclymenum

Für die Bepflanzung von Wallhecken geeignete Gehölzarten


Es gibt aber auch Wallheckengebiete mit besonderen lokale Ausprägungen. Ein Beispiel ist der Bereich um Dunum-Brill. Hier gibt es größere Schwerpunkte mit besonders trockenen und nährstoffarmen Wallhecken, die nur sehr spärlich mit Gehölzen bewachsen sind und dafür viele besonders lichthungrige Arten der Magerrasen- und Heidebiotope aufweisen. Diese Besonderheiten verdienen aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege eine besondere Rücksichtnahme.


Maßnahmen, die einer besonderen Ausnahmegenehmigung bedürfen

Für die Entfernung von Wallhecken kann in bestimmten Fällen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Eine solche Ausnahmegenehmigung ist zuvor bei der unteren Naturschutzbehörde zu beantragen. Ein Antrag für eine solche Ausnahmegenehmigung kann von dieser Internetseite herunter geladen werden.


Der mit der Entfernung einer Wallhecken verbundene Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild ist durch die Anlage einer Ersatzwallhecke im Verhältnis von 1:1 bis 1:2 in geeigneter Lage zu kompensieren. Maßgeblich für die erforderliche Länge ist die Schwere des Eingriffs. Dies ist per Erlass durch das Land Niedersachsen geregelt. Vor dem Einreichen eines Antrags auf eine Ausnahmegenehmigung ist eine Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde grundsätzlich empfehlenswert.


Ist die Anlage oder Verbreiterung von bis zu zwei Durchfahrten pro Schlag mit einer maximalen Breite von jeweils 12 m geplant, so ist dies spätestens einen Monat vor der Durchführung bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund anzuzeigen. Auch für die Verbreiterung oder Neuanlage von Walldurchbrüchen ist eine Kompensation im Verhältnis 1:1 bis 1:2 erforderlich. Ein Antrag für eine Benehmensherstellung kann ebenfalls von dieser Internetseite herunter geladen werden.


Für weitere Fragen oder für eine Hilfe bei der Erstellung eines Antrags stehen die Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde gern zur Verfügung.


Bild Wallhecken 1.JPG

Wallhecken an Rand der Niederung mit der Plagwegstuchte westlich von Reepsholt

Bild Walhecken 2.JPG

 Hohlweg in Wiesedermeer

    

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